Aktuelles

Hier finden sie aktuelle Tipps aus dem Equus®-Beziehungstraining und über die Ecole de Légèreté.

Sitzschulung - Anregungen für Reitlehrer

Einleitung

Der folgende Artikel ist für Reitlehrer der Ecole de Légèreté gedacht. Ich möchte damit Teile meiner eigenen Erfahrung zu diesem Thema vermitteln und freue mich, wenn der Leser Anregungen für die eigene Unterrichtspraxis finden kann. Da ich natürlich nicht weiß, wie intensiv ihr euch mit diesem Thema schon befasst habt, mögen mir diejenigen verzeihen, die das „alles eh´ schon wissen“. Ich freue mich in jedem Fall auf eure Reaktionen dazu. Ich verzichte im Artikel auf die Nennung beider Geschlechter, auch wenn immer beide gemeint sind.

Mein Zugang

Das Thema Bewegungslernen ist für mich als Sporttherapeut seit vielen Jahren ein Wegbegleiter. Viele Patienten haben Schonhaltungen oder schlecht koordinierte Bewegungsabläufe, die verändert werden müssen. Neben dem Training von Mensch & Pferd habe ich auch in einigen anderen Sportarten jahrelange Unterrichtserfahrung (Schilanglauf, Alpiner Schilauf, Schwimmen). Die Frage nach der geeigneten Methodik, „wie vermittle ich den verschiedenen Klienten am besten den Lehrinhalt?“, stellt sich daher immer wieder. Schon vor knapp 20 Jahren habe ich damit begonnen, Seminare zum Thema „Sitzschulung“ anzubieten.

Viele Reiter aus den Sparten Dressur, Westernreiten aber auch viele Gangpferdereiter haben daran teilgenommen. Unter dem Titel „Besser Sitzen – Besser Reiten“ biete ich nach wie vor diese Seminare an.

Von 2007 bis 2010 habe ich bei Philippe Karl die Ausbildung zum Reitlehrer der EdL absolviert. Seit dieser Zeit ist für mich das Thema Sitzschulung in meiner „Prioritätenliste“ etwas in den Hintergrund gerückt. Der Grund dafür war und ist, dass die Hauptprobleme, die die meisten Reiter ihren Pferden machen, in der Art der Zügelführung und der teils widersprüchlichen Hilfengebung und weniger im „mangelhaften Sitz“ zu finden sind. Ich erinnere mich noch gut an Philippe´s Worte, „Mir ist ein Reiter mit geschulten Händen lieber als einer, der perfekt sitzt!“.
Wenn wir daher Schüler unterrichten, die bereits "Sitzen können" und „umsteigen“ wollen, so ist das Verändern der „Sprache der Hilfengebung“ auch die vordringlichste Aufgabe.

Trotzdem ist es unbestritten, dass jene Reiter, die sich dann auch noch gut ausbalanciert am Pferd bewegen und die Schwingungen des Pferderückens mitmachen können, die besseren Reiter sind.

Das heißt, dass für jeden von uns dieses Thema doppelte Bedeutung hat. Erstens, weil man als Trainer beispielgebend im Sattel sein sollte und somit auch am Eigenkönnen arbeiten muss. Zweitens, weil man immer wieder Schüler hat, bei denen Sitzschulung dringend nötig ist.

Unterschiede zwischen Anfängern und Fortgeschrittenen Ganz klar ist die Aufgabenstellung beim Anfängerunterricht. Hier istdas Erlernen der unterschiedlichen Haltungen/Positionen am Pferd das wichtigste Ziel. Erst nach und nach macht es Sinn, mit der Schulung der Hilfengebung zu beginnen. Ich weiß nicht, wer von euch auch Anfänger unterrichtet, aber ich sehe darin eine große Herausforderung und auch ein Chance für die Zukunft der EdL. Für diese Schüler ist nämlich alles neu. Sie haben (noch) keine eingefahrenen Bewegungsmuster (zumindest was den Reitsport betrifft) und sind daher noch gut „formbar“. ...

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Händigkeit der Reiter

Weil es bei uns Menschen, genau wie bei den Pferden, auch "Links- und Rechtshänder" gibt, sollten wir Reiter uns auch damit beschäftigen, "symmetrischer" zu werden. Je dominanter die Händigkeit ausgeprägt ist, umso unterschiedlicher fallen die Zügeleinwirkungen von linker und rechter Hand aus. Dass man Pferde "gerade richten" muss, wissen bereits viele Reiter. Dass auch wir Menschen gerade gerichtet sein sollten, ist wenigen bewusst.
Daher könnten wir regelmäßig einfache Übungen bzw. Aktivitäten machen, die uns helfen "beidhändiger" zu werden. Eine Möglichkeit dafür ist, das tägliche Zähneputzen auch mit der "schlechteren"Hand zu üben. Im Alltag gibt es noch viele andere Gelegenheiten, wo wir nicht automatisch immer die dominante Hand verwenden könnten (z.B. einen Türgriff oder den Lichtschalter betätigen, die Jacke mit dem anderen Arm zuerst anziehen,...) Wer es lieber spielerisch angehen will, kann auch Tennis-Bälle mit der ungeschickten Hand werfen/fangen üben.
Alle diese Beschäftigungen haben einen guten Trainingseffekt auf unser Gehirn. Wir legen dadurch neue "Straßen" in unserem Gehirn und erweitern unsere motorische Bandbreite.
Übrigens, wer im Equus®-Beziehungstraining sein Pferd von beiden Seiten aus trainiert (führen, zirkeln, Handwechsel,...), macht selber auch Training für sein motorisches Gehirn!
Für alle, die sich bemühen, im Sinne der Ecole de Légèreté zu reiten, wären die Tipps sehr empfehlenswert. Mehr Feingefühl in den Händen und eine symmetrische Steuerung der Hände sind auf jeden Fall von Vorteil. Wenn sie mehr über das Thema "Körpertraining für Reiter" erfahren wollen, so nehmen sie Kontakt mit mir auf.

Equus Verstehen lernen

Wenn man Pferde erziehen und ausbilden möchte, ist es sehr wichtig, die Tiere gut "verstehen" zu können. Vieles zeigen sie mit ihrer Körpersprache an: z.B. wo ihre Aufmerksamkeit hingerichtet ist, ob sie unsicher oder aufgeregt sind, wie ihre Körperspannung ist, aber auch ob sie verärgert sind. Deshalb erkläre ich bei meinen Kursen gerne, was unser "Partner Pferd" gerade so von sich gibt. Wenn man diese Mitteilungen besser verstehen kann, ist es auch leichter, die richtigen Massnahmen zu setzen.

Kontergalopp

Hier sieht man den Kontergalopp am Linkszirkel. In der Schule der Légèreté wird das Pferd dabei im Hals zur Zirkelmitte gebogen. Das hat mehrere Vorteile: es ermöglicht ein gutes Ausgreifen der beiden rechten Beine und begrenzt gleichzeitig das linke Vorderbein. Es erleichtert das Aufrichten im Schultergürtel weil durch den anliegenden linken Zügel das Verschieben der Schultern nach rechts möglich ist. Somit kann ein eventuelles "Ausweichen" der Hinterhand nach rechts korrigiert werden, ohne dafür die Schenkel verwenden zu müssen. Eine gute Qualität im Kontergalopp hilft beim gerade Richten und ist eine Voraussetzung für sichere "Fliegende Galoppwechsel". Die Reiterin sitzt auch im Kontergalopp immer in Bewegungsrichtung des Pferdes, hier also nach links.

Mobilisierung Unterkiefer

Eine zentrales Prinzip in der Ecole de Légèreté ist, dass wir keinen Druck auf die Pferdezunge ausüben wollen. Stattdessen wirken wir in Richtung der flexiblen Maulspalten ein. Bei der Mobilisierung des Unterkiefers wollen wir das Pferd zum Nachgeben im Unterkiefer anregen, das sich durch ein Öffnen des Mauls zeigt. Zusätzlich wird dabei der "Schluckreflex" beim Pferd ausgelöst. Beim Abschlucken hebt und senkt sich die Pferdezunge und dabei kann sie das Gebiss im Maul zurecht rücken. Das Mobilisieren dient der Entspannung des Pferdemauls. Pferde mit angespanntem Unterkiefer sind nämlich auch in anderen Regionen (Hals, Schultern) verspannt.
Mit zunehmender Übung gelingt es immer besser, einen "Dialog" mit dem Pferd zu führen: Ein leichtes Anheben der Trense wird mit einem entspannten Nachgeben des Unterkiefers beantwortet. Dieser Vorgang wird zuerst im Halt und dann auch im Schritt immer wieder angewendet. Auch im Sattel dient er als "Test" für die Entspanntheit des Pferdes während den unterschiedlichen Lektionen.
Bei der "Handarbeit" erlernen die SchülerInnen das richtige Handling und Timing (Druck wegnehmen!) zuerst vom Boden aus.